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In diesem Jahr ist es 80 Jahre her, dass Friedrich Weißler ermordet wurde. Unser Autor Klaus Fitschen erinnert in seiner „Berliner Kirchengeschichte“ an Weißler, der für seinen christlichen Glauben und seine jüdische Herkunft mit dem Leben bezahlte. Fitschen schreibt:
Weißlers Eltern waren Juden, ließen aber ihre drei Söhne evangelisch taufen. Aus nationalsozialistischer Sicht war der Jurist Weißler „Volljude“. Schon kurz nach der Etablierung der nationalsozialistischen Herrschaft wurde er von SA-Männern misshandelt und gedemütigt, bald darauf wurde er aus dem Beamtenverhältnis entlassen – zuletzt war er Direktor des Magdeburger Landgerichts gewesen. Weißler zog nach Berlin und stellte sich dort in den Dienst der Bekennenden Kirche, die sich eben nicht nur auf Schrift und Bekenntnis, sondern auch auf das Recht gründen wollte. Ihm gleich taten es in Berlin die Juristen Martin Gauger (1941 ermordet) und Friedrich Justus Perels (1945 ermordet). 1936 arbeitete Weißler an einer Denkschrift der Bekennenden Kirche mit, die an Adolf Hitler gerichtet war und ohne Willen der Verfasser in einer Baseler Zeitung veröffentlicht wurde. Weißler wurde daraufhin verhaftet und 1937 im KZ Sachsenhausen zu Tode gefoltert. Niemand setzte sich für ihn ein; die Bekennende Kirche hatte ihn schon aus dem Dienst entlassen, als der Verdacht aufkam, er sei für die Veröffentlichung verantwortlich.

Weißlers Grab auf dem Südwestfriedhof in Stahnsdorf

 

Klaus Fitschen ist Professor für Kirchengeschichte an der Universität Leipzig. Die Leseprobe ist aus seinem Buch
Berliner Kirchengeschichte, Elsengold Verlag 2017, entnommen.