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Die Alhambra: Das Weltkulturerbe ist das herausragendste Beispiel maurischer Kunst und Architektur auf europäischem Boden. Seit Jahrhunderten erhebt sich die Stadtburg majestätisch über dem spanischen Granada.
Die Kunsthistorikerin Sabine Lata hat für Die Alhambra. Geschichte-Architektur-Kunst 100 faszinierende Fotos dieses einzigartigen Bauwerks ausgewählt und kommentiert. In einer Einführung beschreibt sie die Geschichte und Kultur der Zitadelle und der umgebenden Anlage. Die prächtigen Aufnahmen des Buches gliedern sich, kommentiert von der Autorin, in die Kapitel: Festung – Türme – Tore/
Der Mexuar/ Der Comares-Palast/ Der Löwenpalast/ Der Generalife/ Der Palast Karls V.
Am Ende des Buches findet sich eine übersichtliche Karte der Alhambra.


Im Folgenden finde Sie eine Leseprobe aus der Einführung.

Majestätisch und uneinnehmbar erscheint die Alhambra auf dem Sabikah-Hügel oberhalb von Granada. Das Weiß der schneebedeckten Gipfel der Sierra Nevada bildet zusammen mit dem Grün des bewachsenen Hügels und den rötlichen Mauern der Burg (arab. al- ḥamrā‘ = Rote Burg) einen nahezu magischen Dreiklang. Nichts von ihrem spröden Äußeren, dem Mauerring mit seinen zahlreichen Türmen und dem drohenden Wachturm lässt darauf schließen, dass sich innerhalb der Befestigung eine Welt selten gesehener Pracht entfaltet. Verschwenderische Wasserspiele und üppige Gärten bilden die Kulisse für ein Kleinod maurischer Baukunst, das auf europäischem Boden seinesgleichen sucht. Zierliche Säulen allerorten, leuchtender Wandschmuck, gelegt aus farbigen Fliesen, und wie zarte Spitze wirkende Wanddekorationen aus Stuck beschwören noch heute eine Ahnung verfeinerter Lebenskunst herauf.

Ein Gang aus schlanken Säulen bildet den eleganten Rahmen für den namensgebenden Brunnen im Zentrum des Löwenhofs. © akg-images / Hervé Champollion

Einst war die Alhambra die befestigte Palaststadt der Nasriden, einer arabischen Herrscherdynastie, die zwischen 1232 und 1492 regierte. Für nahezu 800 Jahre, seitdem ein arabisch-berberisches Heer aus Nordafrika 711 die Meerenge von Gibraltar überwunden und den südlichen Teil der iberischen Halbinsel erobert hatte, stand Andalusien unter arabischer Vorherrschaft und entwickelte sich zu einem Zentrum des Geistes und der Wissenschaften.
Unter der Herrscherfamilie der Nasriden entfaltete sich die maurische Kultur dann zu ihrer letzten Blüte. Mohammed I., der Begründer der Nasriden-Dynastie, machte die Stadt Granada zu seiner Hauptstadt.

Er erkannte die ideale strategische Lage, die der Sabikah-Hügel für die Anlage einer Burg bot, und begann dort mit dem Bau seiner befestigten Residenz. Unter den Nachfolgern Mohammeds I. wurde der Burgberg in mehreren Etappen vergrößert und zu einer geschützten Palaststadt ausgebaut. Was heute noch an maurischer Architektur zu sehen ist, geht vor allem auf Yusuf I. (reg. 1333–54) und seinen Sohn Mohammed V. (reg. 1354–59; 1362–91) zurück.

Im Jahr 1492 wurde dann die bereits seit Langem andauernde, allmähliche Rückeroberung Spaniens durch die christlichen Könige abgeschlossen. Die Alhambra ging in den Besitz der spanischen Krone über. Selbstverständlich brachten die neuen Machthaber ihre militärische Überlegenheit auch bald durch Bauwerke zum Ausdruck. Karl V. ließ sich Privatgemächer einrichten und gab den Bau eines imposanten Palasts in Auftrag.

Heute ist die Alhambra eine Anlage aus verschiedenen Bauphasen, Architekturstilen und Erhaltungszuständen. Von der einstigen Bausubstanz ging im Laufe der Jahrhunderte viel verloren. Bereits in der Zeit der Nasriden-Herrscher wurden Gebäudeteile und Innenausstattung erneuert, vieles wurde nach der Eroberung durch die christlichen Herrscher dem Erdboden gleichgemacht, um das Areal bebauen zu können, Gärten wurden neu angelegt. Dennoch gilt die Alhambra als eine der am besten erhaltenen Palastanlagen maurischer Baukultur des Mittelalters. 1984 wurde sie zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Sie ist eines der beliebtesten touristischen Ziele in Spanien mit Millionen von Besuchern jährlich.
Hier endet unsere Leseprobe.

Sabine Lata ist promovierte Kunsthistorikerin und Verfasserin zahlreicher wissenschaftlicher und populärwissenschaftlicher Texte zu Kunst und Kultur. 2015 erschien ihr Buch „Deutschland in alten Ansichten“. Sie lebt als freie Autorin und Lektorin mit ihrer Familie in Berlin.

Sabine Lata
Die Alhambra
Geschichte – Architektur – Kunst
240 Seiten, 21 x 28 cm, ca. 100 Abbildungen
Hardcover
ISBN 978-3-944594-48-4
€ 19,95 (D)