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In der israelischen Hafenstadt Aschkelon hat man bei Ausgrabungen einen Friedhof des sagenumwobenen antiken Volkes der Philister entdeckt. Eine Sensation! Die Welt, die FAZ, alle großen Medien berichten darüber. Doch wer waren die Philister? Um das Seefahrervolk ranken sich Mythen und Spekulationen.

Im „Buch zur Bibel“ finden sich im Kapitel zum Richterbuch (Ri) Erläuterungen zur Geschichte über Simson, der Kontakt zu den Philistern hat. Das Richterbuch erzählt über die Zeit von der sogenannten Landnahme bis zur Königszeit Israels (etwa von 1200 bis 1000 v. Chr.).

Cover Das Buch zur Bibel

Simson (Ri 13,1–16,31)

Die Geschichten über Simson gehören zu den bekanntesten Stücken des Richterbuchs. Dass hier etwas Besonderes beginnt, wird bereits daran deutlich, dass Simsons unfruchtbarer Mutter durch einen Engel die Geburt angekündigt wird. Sehr detailliert wird das Unverständnis von Simsons Mutter und seinem Vater Manoach geschildert, die sich beide mit einer Größe konfrontiert sehen, die sie nicht begreifen. So ist sich die Mutter Simsons nicht sicher, ob sie einen Engel gesehen hat oder einfach einen Furcht einflößenden Mann. Ihr Ehemann Manoach ist ebenso ratlos und betet um die Rückkehr des Engels. Geradezu rührend liest sich die Einladung Manoachs an den Engel, er möge noch zum Essen bleiben.
Simson ist nicht nur Richter, sondern auch Nasiräer (hebr. נָזִיר), ein Ausgesonderter Gottes. Daher soll er sich nicht die Haare schneiden und keinen Alkohol trinken (vgl. Num 6,2–21).
Außerdem ist Simson mit übermenschlicher Kraft begabt. Im Unterschied zu den anderen Richtern, die vor allem in ihrer politischen Funktion beschrieben werden, wird bei Simson viel Privates erzählt, das allerdings auch politisch brisant ist.

Simson verliebt sich als junger Mann in eine Philisterin, eine Angehörige jenes fremdreligiösen Volkes (Ri 14,3) also, das mit Israel im Dauerkonflikt lebt. Weder seine Eltern noch die Eltern seiner zukünftigen Frau sind mit einer Heirat einverstanden. Auf dem Weg zu seinen Schwiegereltern rast Simson ein brüllender Löwe entgegen, den er jedoch mit seiner übermenschlichen Kraft mühelos töten kann. Einige Zeit später kehrt er zum Löwenkadaver zurück und findet einen Bienenstock im toten Tier.
Beim Gastmahl in der Familie seiner Verlobten gibt Simson den Anwesenden dies Rätsel auf: Aus dem Fresser kommt Nahrung, und aus dem Starken kommt Süßes. Wer in sieben Tagen das Rätsel löst, erhält dreißig Hemden und dreißig Festgewänder. Da die Gäste das Rätsel in der gesetzten Frist nicht beantworten können, zwingen sie Simsons Verlobte dazu, ihm die Antwort zu entlocken. Als die Philister auf einmal Simsons Rätsel lösen können, erkennt dieser den Betrug. Er geht in die Philisterstadt Aschkelon, erschlägt dort dreißig Männer und löst mit ihren Gewändern seine Wettschuld ein.

Nun kann Simson die Philisterin nicht mehr heiraten. Als er aber erfährt, dass jetzt sein bester Freund seine Verlobte zur Frau hat, fängt er dreihundert Füchse, bindet jeweils zwei aneinander, mit einer brennenden Fackel dazwischen, und jagt sie in die Felder, Weinberge und Ölbaumhaine der Philister, damit sie diese verbrennen.
Die Feindschaft zwischen Israel und den Philistern spitzt sich durch Simsons Taten so weit zu, dass sie den besetzten Judäern das Ultimatum stellen, Simson auszuliefern. Mit Gottes Hilfe kommt der gefesselte Simson wieder frei und erschlägt tausend Philister mit dem Backenknochen eines Esels. Anschließend wird berichtet, dass Simson zwanzig Jahre lang Richter über Israel zur Zeit der Philister war. Da sie ihn nicht mit militärischer Gewalt überwinden können, ersinnen die Philister eine List. Sie stiften Delila, eine schöne Philisterin, an, Simson zu verführen.
Simson nimmt sich Delila zur Frau. Sofort versucht sie, Simson das Geheimnis seiner Kraft zu entlocken. Dreimal kann er sie täuschen. Doch beim vierten Mal hat Delila endlich Erfolg. Sie erfährt das Geheimnis. Im Schlaf schneidet sie ihm das Haar ab, und es stellt sich heraus, dass Simson damit seine Kraft verliert. Nun können ihn die Philister gefangen nehmen und blenden.

Nachdem Gott Simson in der Gefangenschaft das Haar wieder wachsen und damit die Kraft zurückkehren ließ, kann sich dieser an den Philistern ein letztes Mal rächen. Die Philister feiern ihren Sieg über Simson mit einem großen Opferfest für ihren Gott Dagon. Als der gefangene Simson nun zur Belustigung von Fürsten und Volk vorgeführt werden soll, bringt er das voll besetzte Haus zum Einsturz, auf dessen Flachdach allein dreitausend Männer und Frauen sitzen. Damit reißt Simson mehr Philister mit sich in den Tod, als er zu Lebzeiten je umgebracht hat. Dieser eigentümlichste aller Richter hat Israel zwanzig Jahre lang Recht verschafft.

Aus einer typischen antiken „Heldengeschichte“ wie über Gilgamesch oder Herakles ist nun im Richterbuch eine Rettungsgeschichte aus Israels Überlebenskampf gegen die Philister geworden und ein Bekenntnis zum befreienden Gott Israels gegen die Verknechtungsgötzen der Bedrücker.

 

Hier endet unsere Leseprobe.

„Das Buch zur Bibel“ von Detlef Dieckmann und Bernd Kollmann ist als preisgünstige Neuauflage im Palm Verlag erschienen. Auf 640 Seiten bietet es eine einladende Einführung in die Bibel: Zahlreiche Infokästen, Abbildungen und Karten erklären anschaulich die komplexen theologischen, geografischen und historischen Zusammenhänge. Konfessionelle Unterschiede in der Bibelauslegung werden immer benannt.

 

Cover Das Buch zur Bibel